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Die Food Urbanism Initiative (FUI)

 

Zur Entwicklung der Städte stellt das Projekt die Lebensmittelerzeugung ins Zentrum und schlägt sie als Gestaltungsinstrument zur baulichen Verdichtung vor. Und das Potenzial landwirtschaftlicher Strategien für den Kreislauf Produktion-Vertrieb-Konsum von Lebensmitteln wird beleuchtet.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Food Urbanism Initiative (FUI) befasst sich mit drei gegenwärtigen urbanen Problemen: Mit dem Raum in einer wachsenden Stadt, dem Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner und mit den Lebensmitteln, mit denen sie versorgt werden. Zunächst einmal muss die Schweizer Stadt über sich selbst herauswachsen. Mehr Menschen werden künftig weniger Lebensraum zur Verfügung haben; die Lebensqualität und jene des öffentlichen Raums nimmt ab. Zweitens ist die Stadtbevölkerung von der Quelle und Herkunft ihrer Lebensmittel entkoppelt. Dadurch wird sich die Qualität der Ernährung und die Gesundheit verschlechtern, zudem entfremden sich Lebensmittelerzeugende und -verbrauchende sozial voneinander. Und schliesslich fordert der Kreislauf Produktion-Vertrieb-Konsum von Lebensmitteln einen immer höheren ökologischen Tribut, was zu einer Erschöpfung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten führt. Der Anbau von Lebensmitteln in der Stadt tritt zudem nicht nur mit städtischen Bedürfnissen in Konkurrenz, sondern auch mit dem traditionellen Ackerbau.

Angesichts dieser Problemstellungen hat die FUI untersucht, wie durch sorgsames Integrieren der Lebensmittelerzeugung in die städtebauliche Gestaltung und Planung eine neue urbane Qualität geschaffen werden kann. Hierzu werden im Rahmen der FUI die Auswirkungen der urbanen Landwirtschaft auf die städtebauliche Gestaltung und Planung insgesamt untersucht und das Potenzial neuer landwirtschaftlicher, landschaftlicher und architektonischer Strategien für die Produktion, Verarbeitung, den Vertrieb und den Verbrauch von Lebensmitteln beleuchtet. Ausgehend von diesem Verständnis entwickelt die FUI städtebauliche Strategien und Massnahmen für die zukünftige Stadtentwicklung, bei der sowohl das Leben in der Stadt als auch der Kreislauf der Lebensmittelproduktion in ein harmonischeres und gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch verantwortungsvolleres Miteinander integriert werden. Die Forschung und ihre Fallstudien konzentrieren sich auf die Bedingungen in der Region Lausanne.

Die FUI bewertet Vorteile, Kosten, Risiken und potenzielle Ergebnisse von unterschiedlichen Initiativen und deren Einfluss auf die Stadtbevölkerung. Die vorgeschlagene Kultivierungsart von Gemüse, Obst und Beeren eignet sich auch für kleine Parzellen und zeigt – unter Ausschluss einer grösseren Nutztierhaltung und dem Anbau von Grundnahrungsmitteln – ein Spektrum an Methoden und Standorten für die urbane Lebensmittelproduktion. Die Forschung zeigt Vor- und Nachteile auf und schärft das Problembewusstsein der Stadtbevölkerung dafür. Zu den Forschungszielen und Ergebnissen gehören unter anderem:

  • die Ermittlung und Beschreibung der Prozesse der urbanen Landwirtschaft in Bezug auf die städtebauliche Gestaltung
  • das Festlegen von Regeln für eine gemeinsame Sprache für die urbane Landwirtschaft und deren räumliche Gestaltung (Typologien)
  • das Herstellen von Zusammenhängen zwischen Lebensmittelerzeugung, Städtebau und urbaner Qualität
  • die Prüfung der Möglichkeit räumlicher / funktionaler Verbindungen von Lebensmitteln und Städtebau
  • die Wissensvermittlung

Die FUI hat während der Forschungsphase zehn Strategien erarbeitet, die in Stadtgärten oder Gebäuden umgesetzt werden können. Sie dienen als Orientierungshilfe zur Schaffung einer neuen urbanen Qualität und betreffen Planungsprozesse sowie die städtebauliche Gestaltung (Landschaftsarchitektur und Architektur):

  1. Stärkung der Identität eines Ortes – Obst und Gemüse regen unsere Sinne an: den Geruchssinn, Sehsinn, Tastsinn und den Geschmackssinn. Sie verbinden uns mit anderen Kulturen, mit unserer Geschichte und mit anderen Menschen.
  2. Zusammenbringen von alternativen und unterschiedlichen Anliegen – Die starke Dynamik von Einwohnerinitiativen fördert das Gefühl der nachbarschaftlichen Zugehörigkeit.
  3. Verknüpfung von Wissen und Praxis – Bestehende Netzwerke dienen insbesondere an Orten des Austausches (Schulen, Krankenhäuser, Gemeindezentren etc.) der Verbreitung von Wissen.
  4. Schaffung von sozialen Möglichkeiten – Gemeinschaftsgärten und Pflanzplätze begünstigen die Vielfalt, indem sie persönliche Bindungen und den nachbarschaftlichen Austausch verstärken. Als öffentliche Basisinfrastruktur-Angebote bereichern sie die soziale Dynamik.
  5. Gewährleistung von ökologischen Vorteilen – Die Analyse der lokalen Wasserläufe und der damit verbundene Schutz dieser Ressource ist zugleich mit der Stärkung der Artenvielfalt und der ökologischen Netzwerke von Bedeutung für die urbane Qualität.
  6. Ausweitung der Stadtökonomie – Eine gute Erschliessung verbessert die Nutzung von Lebensmittelproduktionszentren und begünstigt die wirtschaftliche Entwicklung dieser Standorte von urbaner Qualität.
  7. Umgang mit städtischem Wandel – Das Wissen um Urbanisierungsprozesse bildet für Food Urbanism Initiativen eine wertvolle Gelegenheit, an strategischen Standorten gesundes Wachstum zu ermöglichen.
  8. Blitzaktionen! – Die Auswirkungen im Quartier werden schnell sichtbar. Es braucht nur einen Tag, um einen Ort zu verändern und langfristige Bindungen zwischen den Bewohnern zu ermöglichen. Nicht oder wenig genutzte, gut erschlossene städtische Orte können von Blitzaktionen profitieren, die die Nahrungsmittelproduktion zum Ziel haben.
  9. Entwicklung von Landschaften des Wohlbefindens – Anbauflächen sind bewegungsfördernd, bieten Anreize für sozialen Austausch, regen zu einer gesunden Ernährung an und stärken unsere Verbindung zur Erde. Sie sind Oasen des Wohlbefindens.
  10. Die Stadt fruchtbar machen – Wenn Freiflächen genutzt werden, die lokale Produktion gefördert, Anwohnerinnen und Anwohner wie Fachleute aus dem Gartenbau sensibilisiert und Kompostiermöglichkeiten geschaffen werden, dann wird die Stadt fruchtbar.

Die Zielgruppe für Massnahmen der FUI ist breit gefächert: Politik, Behörden, Fachleute in den Bereichen Stadtentwicklung und Landwirtschaft, Einwohnerinitiativen, Aktivistinnen und Aktivisten sowie allgemein die breite Öffentlichkeit. Eine solche Vielfalt erfordert allgemein verständliche Lösungen. Die FUI kommuniziert diese Informationen über ihre Website www.foodurbanism.org und über den neu entwickelten „Werkzeugkasten“. Dieser beinhaltet verschiedentliches Informationsmaterial mit übersichtlich gegliederten, gut beschriebenen Typologien (Regeln für die urbane Landwirtschaft), mit urbanen Strategien und Bewertungskriterien für urbane Qualität. Obwohl hierbei Antworten zur urbanen Lebensmittelerzeugung in administrativer, planerischer und gestalterischer Hinsicht gegeben werden, ist zugleich auch die Überprüfung der Vorschläge möglich.

Urbane Untersuchungs- und Gestaltungsprozesse fördern die Anliegen der Food Urbanism Initiative. Die Methodik setzt bei einem Wissensarchiv von typologischen Möglichkeiten an: Eine gründliche Bestandsaufnahme der Standorte (um die geeignetsten Standorte und Synergien zu definieren) wird von einem iterativen Prozess der Gestaltung und der Projekterprobung an unterschiedlichen Standorten gefolgt. Der gesamte Prozess wird evaluiert, was der Projektbewertung wie auch der Kommunikation mit den Akteuren dient.

Die FUI befasst sich mit drei Schwerpunktthemen und mit deren Überschneidungen: Mit der Stadt und ihrer Verdichtung, der Lebensqualität der Stadtbewohner sowie mit dem Nahrungskreislauf. Sinn und Zweck der FUI ist es, diese Themen und die damit verbundenen Herausforderungen besser zu verstehen und Wege aufzuzeigen, wie damit in einem interdisziplinären städtebaulichen Prozess umgegangen werden kann.

Originaltitel

The Food Urbanism Initiative (FUI)

Projektleiter

  • Craig Verzone, M.A., Verzone Woods Architectes
  • Dr. Lukas Bertschinger, Agroscope Changins-Wädenswil
  • Prof. Jeffrey Huang, Media and Design Laboratory (IC/ENAC), ETH Lausanne
  • Prof. Michel Dumondel, Groupe d’économie agroalimentaire et rurale, EPFZ
  • Cristina Woods, M.Arch., Verzone Woods Architectes

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Craig Verzone Verzone Woods Architectes La Cure 1659 Rougemont +41 26 925 94 92 verzone@vwa.ch

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